Kippleibameise – Crematogaster scutellaris (Olivier, 1792)
Der Kopf der Kippleibameise ist kräftig gelbrot gefärbt, wodurch die Art eindeutig zu erkennen ist. Sie legt in wärmeren Regionen Kartonnester aus zerkautem Holz- und Pflanzenmaterial in Bäumen an, bei geeigneten Bedingungen auch in Gebäudehöhlen, Mauerfugen oder Dachbereichen. Arbeiterinnen sammeln vor allem zuckerhaltige Nahrung (Honigtau, Nektar) und ergänzen die Fütterung der Brut mit tierischem Eiweiß. Kolonien können in günstigen Lagen schnell mehrere tausend Individuen erreichen, darum ist wichtig, die Gefahr schon früh zu erkennen und Maßnahmen zu ergreifen: Nestansätze mechanisch entfernen, Zugänge und Fugen dauerhaft abdichten, tote Holzbestände und Nahrungsquellen in Hausnähe reduzieren. Bei großem, verstecktem oder schnell wachsendem Befall ist die fachkundige Diagnose und Behandlung durch zugelassenene Schädlingsbekämpfer ratsam.
Erkennen des Schädlings mit eindeutigen Bestimmungsmerkmalen
- Arbeiterinnen: etwa 3–5 mm, Königinnen deutlich größer (bis ca. 9–10 mm).
- Färbung: auffälliger, rötlich bis rotbrauner Kopf; Mesosoma und Gaster meist dunkelbraun bis schwarz, dadurch kontrastreich zweifarbiges Erscheinungsbild.
- Körperbau: Das Verbindungsstück zwischen Brustteil (Mesosoma) und Hinterleib (Gaster) ist zweigliedrig ausgebildet: Petiolus und Postpetiolus sind deutlich getrennt, weshalb die Gruppe im Deutschen auch als Knotenameisen bezeichnet wird
Gaster (Hinterleib) herzförmig und bei Gefahr oft aufgerichtet (typisches Abwehrverhalten der Gattung Crematogaster); Antennen 11-gliedrig mit dreigliedriger Keule; Beine dunkelbraun. - Besonderheiten: Bilden Kartonnester aus zerkautem Pflanzen- und Holzmaterial; können schnell in Baumhöhlen, Häuserfugen oder Mauerwerksöffnungen Kolonien ausbilden, was die Bestimmung erleichtert.
Lebensweise des Schädlings
- Sozialstruktur: Meist monogyn (eine Königin pro Nest); Kolonien sind baumbewohnend oder nutzen Hohlräume in Mauerwerk und Holz; in geeigneten Regionen können große, dauerhafte Staaten entstehen.
- Nestbau: Kartonnester aus zerkautem Holz- und Pflanzenmaterial werden in Baumkronen, Astspalten, Mauerritzen oder in Dachbereichen angelegt; diese Nester sind oft flexibel und dicht, bieten Schutz für Brut und Larven.
- Aktivität: Arbeiterinnen sind tagaktiv; sie bilden Laufstraßen zu Nahrungsquellen und sind in wärmeren Monaten besonders aktiv. Schwarmflüge der Geschlechtstiere erfolgen saisonal bei günstiger Witterung .
Von was ernähren sich die adulten Tiere und Larven?
- Adulte Arbeiterinnen: Hauptsächlich zuckerhaltige Stoffe wie Honigtau (von Blattläusen), Pflanzensäfte und Nektar; ergänzt durch Proteinquellen wie kleine Insekten oder tote Wirbellose zur Versorgung der Kolonie.
- Larven: Benötigen proteinreiche Nahrung für Wachstum; Arbeiterinnen füttern Larven mit verarbeiteten tierischen Anteilen und Proteinpaketen, die sie erbeuten oder sammeln.
Wie vermehren sich die Tiere?
- Reproduktion: Geschlechtstiere (geflügelte Männchen und Weibchen) schlüpfen in ausgewachsenen Kolonien und führen Schwarmflüge durch; nach der Begattung gründen Weibchen neue Kolonien in geschützten Hohlräumen oder Spalten.
- Gründungsverhalten: In vielen Fällen allein (selbständige Gründung); bei geeigneten warmen Standorten und genügend Ressourcen können junge Kolonien zügig wachsen und Arbeiterzahlen rasch erhöhen.
Wie viele Nachkommen können Kippleibameise entwickeln
- Koloniegröße: Etablierte Kolonien von Crematogaster scutellaris können in günstigen, wärmeren Regionen mehrere Tausend Arbeiter erreichen; genaue Zahlen hängen von Standort, Klima und Nahrungsangebot ab.
- Reproduktionsleistung: Regelmäßige Produktion von Geschlechtstieren in geeigneten Jahren; Nachwuchs- und Arbeiterproduktion ist stark abhängig von Koloniealter und Ressourcenversorgung.
Lebensraum Kippleibameise
Wo kommt der Schädling ursprünglich her und wo lebt er jetzt
- Verbreitung: Ursprünglich südeuropäisch und mediterran verbreitet; in Südeuropa häufig, in Mitteleuropa seltener, aber durch Einschleppungen und Klimawandel zunehmend örtlich nachweisbar (z. B. in wärmeren Regionen und Urlaubsorten).
- Aktuelle Vorkommen: Häufig in Baumbeständen, Parkanlagen, Trockenwäldern und in städtischen Bereichen mit geeigneten Nistmöglichkeiten; lokal auch in Gebäuden oder Dachbereichen beobachtet.
Welche ökologische Nische nutzt die Kippleibameise?
Nische: Baumbewohnend und opportunistisch in Nutzung von Hohlräumen und Maueröffnungen; profitiert von Pflanzenpopulationen, die Blattläuse produzieren (Honigtau-Quelle) und von geschützten Nistplätzen in Baumkronen oder Gebäudespalten.
Welche natürlichen Feinde hat der Schädling?
- Räuber: Vögel, Spinnen, räuberische Insekten (z. B. Laufkäfer, größere Ameisenarten) und kleine Säugetiere können Arbeiterinnen und Larven erbeuten.
- Parasiten und Krankheitserreger: Verschiedene Pilze, Mikroorganismen und parasitoide Insekten können lokal Kolonien schwächen; spezifische Schädlinge variieren regional und sind nicht immer ausführlich dokumentiert.
Welche Probleme macht er dem Menschen?
- Bauschäden: Kippleibameisen bauen Kartonnester in Baumhöhlen, Mauerfugen, Hohlräumen von Dächern oder Hauskonstruktionen; in und an Gebäuden können Nester zu Materialschäden, Feuchteproblemen oder zur Verbreitung in Hohlräumen führen und langfristig konstruktive Probleme verursachen.
- Laufstraßen und Nahrungssuche in Innenräumen; die Anwesenheit großer Kolonien wird oft als lästig empfunden und kann Sanierungsbedarf nach sich ziehen.
- Schnelle Kolonieentwicklung: Rasches Wachsen kann dazu führen, dass Probleme unbemerkt und großflächig werden, bevor sie auffallen.
Wie kann man die Kippleibameise bekämpfen?
Wichtig: Vor jeder chemischen Maßnahme ist eine eindeutige Artenbestimmung und Begutachtung durch einen Fachbetrieb sinnvoll.
Umweltfreundliche, ökologische Maßnahmen (Priorität)
- Bauliche Vorbeugung: Verschließen und Abdichten potenzieller Zugangspunkte (Mauerfugen, Dachöffnungen, Hohlräume), Reparatur von Schäden an Fassaden und Dächern, um Nistmöglichkeiten zu minimieren.
- Lebensraumentzug: Entfernen von totem Holz, ungenutzten Holzhaufen, übermäßigem Pflanzenbewuchs direkt an Gebäuden; Abstand zwischen holzigen Materialien und Hauswand schaffen, um Anreize zu reduzieren.
- Mechanische Entfernung: Sichtbare Kartonnester in leicht zugänglichen Bereichen mechanisch entfernen und fachgerecht entsorgen; Nestmaterial ersetzen und betroffene Hohlräume verschließen.
- Biologische/Non-Chemical Controls: Förderung natürlicher Feinde durch Garten-Ökologie, Minimierung von Insekten-Hotspots (z. B. gezielter Schnitt von Pflanzen, Reduktion von Blattlauspopulationen) kann indirekt Nahrungsquellen verringern.
Konventionelle, gezielte Maßnahmen
- Köderstrategien: Einsatz zugelassener, zielgerichteter Köderformulierungen, die Arbeiterinnen aufnehmen und in das Nest einbringen; nur durch erfahrene Fachbetriebe einsetzen, um Umweltbelastungen zu minimieren.
- Lokale Insektizidapplikation: Bei großem oder schwer erreichbarem Befall können zugelassene Lokalanwendungen durch Profis notwendig sein; Auswahl und Anwendung sollten rechtskonform und fachgerecht erfolgen.
- Ausräucherung / Spezialverfahren: In Einzelfällen, bei massivem Befall in Hohlräumen, sind spezielle Verfahren denkbar, die aber hohen rechtlichen und sicherheitstechnischen Anforderungen unterliegen und Fachbetriebe erfordern.
Wie kann man der Kippleibameise die Lebensgrundlage dauerhaft entziehen?
- Konsequente bauliche Sanierung: Alle Zugänge zu Hohlräumen verschließen, undichte Stellen reparieren, Dach- und Fassadenbereiche langfristig sichern, um Nistplätze dauerhaft zu entfernen.
- Umfeldpflege: Entfernen oder kontrollierte Lagerung von Holzhaufen, angrenzendem Schnittgut und totem Holz; Gestaltung der Außenanlagen so, dass Blattlaus-Infestationen und Honigtauquellen reduziert werden.
- Regelmäßige Inspektionen: Periodische Kontrollen an empfindlichen Stellen (Dachstühle, Mauerfugen, Fassaden) durch Hauseigentümer oder Fachbetrieb zur frühen Erkennung und prompten Beseitigung von Nestansätzen.
Quellenverzeichnis
- — Kippleibameise (Crematogaster scutellaris). https://schaedlingskunde.de/schaedlinge/steckbriefe/ameisen/kippleibameise-crematogaster-scutellaris/kippleibameise-crematogaster-scutellaris/..
- — Rotkopfameise (Crematogaster scutellaris) bekämpfen. https:///ameisen-bekaempfen/rotkopfameise-crematogaster-scutellaris/..
- Ameisenforum.de — Beiträge und Beobachtungen zu Crematogaster scutellaris (Diskussionsforum). https://ameisenforum.de/crematogaster-scutellaris-haltungserfahrungen-t28039.html..
- Makro-Forum — Beobachtungsberichte und Fotogalerien zu Crematogaster scutellaris. https://www.makro-forum.de/viewtopic.php?t=131390..
- Husemann M., Schirmel J., Kulanek D., Verhaagh M.: A new record of Crematogaster scutellaris (Olivier, 1791) from Landau (Rhineland-Palatinate) with a summary of past findings of the species in Germany. Carolinea 83 (Mitteilungen des Senckenberg-Museums für Naturkunde Karlsruhe).
Foto: https://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/a/a8/Crematogaster_scutellaris_269346071.jpg
Nico, CC0, via Wikimedia Commons

