Rodentizide: Alle wichtigen Infos zu Ratten- und Mäusegift

Wanderratte in einer Frontalansicht
Mäuse- und Rattengift ist im Internet und Baumarkt recht einfach erhältlich. Doch nicht jeder Köder ist gleich wirksam. Und nicht jedes Rattengift kann für eine Rattenbekämpfung im Garten oder Keller eingesetzt werden. Wer Wühlmäuse im Garten hat, muss wiederum ein völlig anderes Produkt erwerben. Wir klären auf über die wichtigsten Unterschiede von verschiedenen Ködern und Wirkstoffen auf und warum es am Ende besser ist den Fachmann für sich arbeiten zu lassen.

Wie funktioniert Rattengift?

Der Fachmann spricht bei Ratten- und Mäusegift eigentlich von Rodentiziden. Alle toxischen Köder funktionieren nach demselben Prinzip: Die Maus oder Ratte frisst vom Köder und stirbt einige Tage nach dem Verzehr an inneren Blutungen. Der Verzögerungseffekt sorgt dafür, dass die Tiere keinen Zusammenhang zwischen Köder und Vergiftung herstellen können.
Man spricht in diesem Zusammenhang auch von einer antikoagulanten Wirkung, weshalb Rattengifte mitunter auch als Antikoagulantien bezeichnet werden.

Was ist der Unterschied von Rodentiziden und Antikoagulantien?

Als Rodentizid wird der Köder zur Schadnagerbekämpfung bezeichnet: also Mäuse und Ratten aller Arten. Der Begriff stammt von dem englischen Begriff „Rodent“, was übersetzt „Nager“ bedeutet.
Ein Antikoagulant hemmt die Blutgerinnung, unabhängig vom Zielorganismus. So werden Antikoagulantien auch in der Medizin eingesetzt. In stärkerer Form werden sie in Rodentiziden eingesetzt. Alle Rodentizide sind somit gleichzeitig auch Antikoagulantien, da sie stets die Blutgerinnung hemmen.

Gibt es einen Unterschied zwischen Mäuse- und Rattengift?

Grundsätzlich gibt es keinen essentiellen Unterschied zwischen Mäuse- und Rattengift. Alle Köder wirken auf dieselbe Weise und beinhalten die gleichen Wirkstoffe. Es gibt also keine speziellen Wirkstoffe zur Mäuse- oder Rattenbekämpfung.
Es gibt allerdings Unterschiede in der Köderannahme. So gibt es Köder, die besser von Mäusen oder Ratten angenommen werden. Grundsätzlich sind beide Tiere Allesfresser, allerdings gibt es auch bei den Tieren in der Stadt Vorlieben für bestimmte Nahrung. Dementsprechend bevorzugen manche Mäuse einen anderen Köder als Ratten. Aber auch innerhalb der Art kann es Unterschiede geben. Im Zweifelsfall muss man verschiedene Köder ausprobieren.

Ratte auf Rohr

Rodentizide töten Ratten zeitverzögert

Warum gibt es spezielle Köder zur Wühlmausbekämpfung?

Wühlmäuse ernähren sich vollkommen anders als Mäuse oder Ratten. Sie benötigen daher einen anderen Köder, herkömmliche Ratten- und Mäuseköder werden von Wühlmäusen nicht angenommen. Wühlmäuse nur mit Köder zu bekämpfen führt im Übrigen selten zum Erfolg. Daher sollte in Wühlmausköder nur als begleitende Maßnahme vom Fachmann eingesetzt werden.

Welcher Köder ist der beste Rattenköder?

Den ultimativen Köder zur Mäuse- und Rattenbekämpfung gibt es nicht. Erfahrungsgemäß gibt es zwar Köder, die überdurchschnittlich gut angenommen werden, aber auch das ist kein Garant für eine einwandfrei Annahme. Wie auch bei uns Menschen gibt es Unterschiede bei den Geschmäckern von Ratten und Mäusen. So kann es durchaus sein, dass ein Köder, der fast immer gut angenommen wird in einem bestimmten Objekt links liegen gelassen wird. Im Zweifelsfall müssen verschiedene Köder ausprobiert werden.

Warum ist Mäusegift frei verkäuflich?

Mäusegift ist per se nicht frei verkäuflich. Zwar kann man auf Amazon und anderen Webseiten diverse Köder zur Ratten- und Mäusebekämpfung erwerben, allerdings handelt es sich dabei um Köder mit Wirkstoffen der ersten Generation. Diese sind für den Verkauf an Menschen ohne Sachkunde frei verkäuflich, haben aber einen entscheidenden Nachteil: Ihre Wirksamkeit.
Die Ratte oder Maus muss deutlich mehr Köder aufnehmen, damit eine tödliche Wirkung einsetzt. Vor allem Mäuse haben in einigen Gebieten bereits eine Resistenz gegen bestimmte Wirkstoffe entwickelt. Ein Köder aus dem Baumarkt kann eine Maus somit nur noch sättigen, nicht aber töten.

Was bedeutet Rodentizid der ersten Generation?

Man unterscheidet bei Rodentiziden zwischen Wirkstoffen der ersten und zweiten Generation. Wirkstoffe der ersten Generation sind deutlich schwächer und auch für Personen ohne Sachkunde erhältlich. Wirkstoffe der zweiten Generation sind lediglich für Schädlingsbekämpfer und andere berufsmäßige Anwender mit entsprechender Sachkunde erhältlich.
Grund hierfür ist die RMM (Risikominderungsmaßnahme), die Sekundärvergiftungen und gesteigerte Resistenzen gegenüber Rodentiziden verhindern möchte. Daher sind auch bei befallsunabhängigen Dauerbeköderungen nur noch bestimmte Wirkstoffe einsetzbar.

Welche Wirkstoffe gehören welcher Generation an?

Folgende Wirkstoffe gehören zur ersten Generation und sind somit frei verkäuflich:

- Warfarin
- Chlorophacinon
- Coumatetralyl

Wirkstoffe der zweiten Generation dürfen nur an Anwender mit der entsprechenden Sachkunde verkauft werden:

- Bromadiolon
- Difenacoum
- Brodifacoum
- Difethialon
- Flocoumafen

Flocoumafen und Difethialon sind besonders potent, weshalb nur relativ wenige Ratten- und Mäuseköder die Wirkstoffe enthalten. Zudem werden sie selbst in der Schädlingsbekämpfung nur selten eingesetzt, um Resistenzen vorzubeugen. Bei befallsunabhängigen Dauerbeköderungen dürfen mittlerweile nur noch Broamdiolon und Difenacoum eingesetzt werden.

Darf ich frei verkäufliches Rattengift ohne Sachkunde überall einsetzen?

Rodentizide der ersten Generation dürfen zwar frei erworben werden, allerdings ist eine Anwendung auf bestimmte Bereich beschränkt. So darf eine Bekämpfung nur auf dem Gelände im Innen- und Außenbereich eingesetzt werden. Ausgenommen ist eine Rattenbekämpfung im Garten oder fernab eines Gebäudes. Dies gilt für private und berufsmäßige Verwender ohne Sachkunde (beispielsweise einen Hausmeister). Eine genaue Auflistung über die erlaubten Einsatzmöglichkeiten haben wir in unserem Beitrag zur RMM (Risikominderungsmaßnahmen) erstellt.

Gibt es speziellen Rattenköder zur Bekämpfung in der Kanalisation?

Es gibt keinen eigens dafür entwickelten Köder zur Rattenbekämpfung in der Kanalisation. Allerdings gibt es spezielle Vorgaben für den Einsatz von Rattenköder in der Kanalisation. So muss der Köder fest verankert sein, sodass er nicht ins Abwasser fallen kann. Außerdem muss sichergestellt sein, dass der Köder bei Hochwasser nicht weggeschwemmt wird. Rattenköder darf auch nicht dauerhaft in der Kanalisation eingesetzt werden. Eine befallsunabhängige Dauberköderung im Kanal ist nicht zulässig.

Schermaus

Wühlmäuse benötigen speziellen Wühlmausköder

Was bedeutet Sekundärvergiftung bei Rodentiziden?

Rodentizide können bei anderen Organismen eine Sekundärvergiftung auslösen. Das heißt die Vergiftung findet nicht durch die direkte Aufnahme des Köders, sondern durch die Aufnahme des vergifteten Tieres statt.
Im Klartext: Eine Katze oder Hund frisst eine vergiftete Ratte. Dabei muss die Ratte noch nicht verstorben sein, es reicht wenn sie einen Köder gefressen und den Wirkstoff somit aufgenommen hat.

Wie gefährlich ist Rattengift für Menschen?

Auch Menschen können durch Rodentizide vergiftet werden. Die letale Dosis hängt auch hier stark vom enthaltenen Wirkstoff ab. Zwar befindet sich im Köder ein Bitterstoff, der das Rodentizid ungenießbar für Menschen macht, allerdings sollen vor allem Kinder von Köderboxen ferngehalten werden.
Berufsmäßige Verwender sind angehalten Köder nur mit Schutzhandschuhen anzufassen und auf eine Staubentwicklung beim Köder zu achten. Eine dauerhafte Kontamination mit Rattengift kann zu Unfruchtbarkeit und anderen Nebenwirkungen führen. Daher sind Köder, die sich in Organismen und der Umwelt dauerhaft anreichern können besonders gekennzeichnet und zudem für Personen ohne Sachkunden nicht erhältlich. Es handelt sich dabei um sogenannte PBT- und vPvB-Stoffe.

Tote Ratten

Kadaver im Außenbereich sollten stets entsorgt werden

Wie gefährlich ist eine Sekundärvergiftung für Katzen oder Hunde?

Wir gefährlich eine Sekundärvergiftung ist, hängt stark vom Organismus ab. Ein Hund kann vermeintlich wesentlich mehr Köder aufnehmen als eine Katze. Dementsprechend sollte ein Hund auch mehr vergiftete Mäuse oder Ratten fressen können als eine Katze. Die Tabelle in der rechten Spalte zeigt, dass diese Annahme nicht auf jeden Wirkstoff zutrifft. Während ein Hund mehr Warfarin als eine Katze verträgt, ist die letale Dosis bei Brodifacoum im Vergleich zur Katze beim Hund wesentlich niedriger.
Die Gefährlichkeit der Sekundärvergiftung hängt somit maßgeblich vom Zusammenspiel von Wirkstoff und Organismus ab. Bestimmte Wirkstoffe führen bei bestimmten Tieren zu einer höheren Sekundärvergiftung als andere. Die Tabelle in der rechten Spalte liefert auch nur einen ungefähren Anhaltspunkt, zumal es schwer sein dürfte abzuschätzen welche Menge an Ratten- oder Mäusegift eingenommen wurde, sollten Hund oder Katze beispielsweise eine vergiftete Ratte gefressen haben. Bei Verdachtsfällen sollte daher immer der Tierarzt aufgesucht werden.

Was bedeutet PBT und vPvB bei Rodentiziden?

Rattenköder die mit der Kennzeichnung PBT oder vPvB versehen sind, dürfen nicht an Personen ohne Sachkunde verkauft werden, selbst wenn sie Wirkstoffe der ersten Generation enthalten. Dabei handelt es sich um enthaltene Chemikalien, die besonders umweltgefährend sind:

- Persistent (P) und sehr Persistent (vP) / werden schlecht in der Umwelt abgebaut
- Bioakkumulierend (B) und sehr bioakkumulierend (vB) / Anreicherung der Gifte in Organismen und der Umwelt (Nahrungskette)
- Toxisch (T) / giftig für Menschen

Was sind die Symptome einer Vergiftung durch Rattenköder?

Die Symptome einer Sekundärvergiftung oder auch direkten Vergiftung durch Rodentizide können recht vielfältig sein. Vor allem Nasenbluten oder Blut in Stuhl oder Urin können auf eine Vergiftung hinweisen. Aber auch Erbrechen von Blut kann durch eine Vergiftung hervorgerufen werden. Krämpfe, Muskelzittern oder absinkende Temperatur bis hin zur Bewusstlosigkeit sind ebenfalls möglich.

Gibt es ein Gegenmittel bei Vergiftungen mit Rodentiziden?

Als Gegenmittel bei der Einnahme von Rattengift wird Vitamin K eingesetzt. Es fördert die Blutgerinnung und erreicht damit den gegenteiligen Effekt von Antikoagulantien. Die Einnahme sollte unmittelbar nach der Aufnahme des Köders geschehen. Da die Köder zeitverzögert wirken, hat man theoretisch einige Stunden bis Tage Zeit. Allerdings sind die Genesungsaussichten wesentlich höher bei einer frühen Behandlung. Daher sollte umgehend die Giftnotrufzentrale angerufen oder der Hausarzt / Tierarzt aufgesucht werden.

Wie muss Rattenköder entsorgt werden?

Rattenköder gehört zur Kategorie „Sonderabfall“. Je nach Stadt oder Gemeinde gibt es spezielle Bestimmungen zur Entsorgung von gefährlichem Sonderabfall. Der Abfallschlüssel für Rodentizide lautet in der Regel „20 01 19“ (Pestizide). Im Zweifel ist der Abfallschlüssel im zugehörigen Sicherheitsdatenblatt des Produkts angegeben. In Darmstadt kann Ratten- und Mäuseköder im Privathaushalt über den Restmüll entsorgt werden.

Quellen:
Umweltbundesamt: Rodentizide (zuletzt besucht am 15.05.2020)
Umweltbundesamt: Gute fachliche Anwendung von Nagetierbekämpfungsmitteln mit Antikoagulanzien / Für berufsmäßige Verwender ohne Sachkunde (zuletzt besucht am 15.05.2020)
Umweltbundesamt: Gute fachliche Anwendung von Nagetierbekämpfungsmitteln mit Antikoagulanzien / Für berufsmäßige Verwender mit Sachkunde (zuletzt besucht am 15.05.2020)
Umweltbundesamt: Nagetierbekämpfung mit Antikoagulanzien (zuletzt besucht am 15.05.2020)
Doccheck: Antikoagulans (zuletzt besucht am 15.05.2020)
Erste Hilfe beim Hund: Rattengift (zuletzt besucht am 15.05.2020)
Sekundärvergiftungen bei Brodifacoum

Letale Dosis von Antikoagulantien bei verschiedenen Tieren

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