Glänzendschwarze Holzameise — Lasius fuliginosus (Latreille, 1798)
Die Glänzendschwarze Holzameise (Lasius fuliginosus Latreille, 1798) ist eine tiefschwarz glänzende, holzassoziierte Wegameise, die in lebendem und totem Holz umfangreiche Kartonnester bauen kann und sich überwiegend von Honigtau ernährt; in Gebäuden und an Holzbauteilen kann sie durch Aushöhlen und Kartonnest-Bildung Bauschäden verursachen, Befälle sind oft schwer zu erkennen und erfordern eine gezielte Inspektion sowie Maßnahmen, die das Nest selbst erreichen und die Lebensgrundlage (feuchtes, vorgeschädigtes Holz, Blattlausvorkommen) dauerhaft entziehen.
Erkennen des Schädlings mit eindeutigen Bestimmungsmerkmalen
- Arbeiterinnen 4–6 mm, Männchen 4,5–5 mm, Königinnen 6–6,5 mm; Körper durchgängig tiefschwarz und glänzend, teilweise rötlich-braune Antennen- oder Beinglieder möglich.
- Kopfform deutlich; Hinterhaupt mit charakteristischer Einbuchtung, zwischen Thorax und Gaster ein schuppenförmiges Petiolusglied erkennbar; Tiere wirken größer und massiger als viele Wegameisenarten.
- Kolonien verströmen nach Beobachtungen einen süßlich-harzigen Geruch, den Fachquellen als artspezifisch beschreiben.
Lebensweise des Schädlings
- Lasius fuliginosus baut komplexe Nester in Totholz, Baumstümpfen, Zaunpfählen und gelegentlich auch in Holzteilen von Gebäuden; die Nester bestehen oft aus einer zelluloseartigen, kartonartigen Substanz, die Arbeiterinnen aus Holzpartikeln und Honigtau herstellen.
- Die Art nutzt häufig bereits vorhandene Nester anderer Chthonolasius-Arten (soziale Parasitierung) oder besetzt Hohlräume und erweitert sie durch Ausnagen und Kartonbau.
- Kolonien sind standorttreu, sehr langlebig und können große Arbeiterzahlen und ausgedehnte Nebennester (Zweigkolonien) entwickeln, verbunden durch Laufstraßen zu Futterquellen.
Von was ernähren sich die adulten Tiere und Larven?
- Hauptnahrung ist Honigtau, den sie von Blattläusen (und anderen sap-saugenden Insekten) sammeln und verzehren; Honigtau ist die zentrale Energiequelle, Larven werden zusätzlich mit proteinreicher Nahrung versorgt, etwa Insektenbeute oder Proteinbällchen innerhalb der Kolonie.
- In Kulturberichten tragen Arbeiterinnen Honig- oder Zuckerlösungen in Haltungsanlagen an, was die starke Trophobiose-Beziehung zur Honigtau-Produktion bestätigt.
Wie vermehren sich die Tiere?
- Reproduktion erfolgt über geschlechtliche Schwärme: geflügelte Geschlechtstiere fliegen aus, paaren sich und befruchtete Weibchen (Gründergynen) versuchen Kolonien zu gründen; bei L. fuliginosus ist die Gründung oft sozialparasitisch — junge Königinnen übernehmen Nester oder nutzen Wirtsarten zur Etablierung.
- Die Königin verbleibt lebenslang reproduktiv; Koloniewachstum erfolgt durch kontinuierliche Brutpflege und Aufzucht neuer Arbeitergenerationen.
Wie viele Nachkommen können sie entwickeln
- Kolonien können sehr groß werden: Lasius fuliginosus bildet häufig stark bevölkerte Völker mit mehreren tausend Individuen, einschließlich ausgeprägter Nebenkolonien; genaue Zahlen variieren mit Standort und Nahrungsangebot.
- Das Wachstum ist langfristig: aufgrund großer Koloniendauer und Verzweigung sind in geeigneten Habitaten substanzielle Populationen möglich.
Lebensraum
Wo kommt der Schädling ursprünglich her und wo lebt er jetzt
- Die Art ist in Europa (mit Schwerpunkt Mitteleuropa) weit verbreitet und kommt natürlicherweise in Wäldern, Gehölzsäumen und Einzelbäumen vor; Vorkommen reichen in Teilen bis nach Asien.
- In menschlichen Siedlungen tritt L. fuliginosus vor allem dort auf, wo Holzstrukturen, Pfähle oder alte Holzbalken geeignete Nistplätze bieten; sie besiedelt auch Randbereiche von Siedlungen und Gärten.
Welche ökologische Nische nutzt er
- Spezialisiert auf eine holz- und baumgebundene Nische; die Verbindung zu Blattläusen (Trophobiose) als Honigtau-Lieferanten und die Fähigkeit, Kartonnester in Holzhohlräumen zu errichten, verschafft ihr eine Nische zwischen arboricolen und saproxylen Lebensräumen.
Welche natürlichen Feinde hat er?
- Natürliche Feinde sind allgemeine Räuber (Vögel, Spinnen, andere räuberische Insekten) sowie Pathogene; der artspezifische Wehrduft bietet jedoch einen gewissen Schutz gegen Feinde und Konkurrenten.
- In Wäldern regulieren Prädation und Konkurrenz Populationsdichten, in Gebäuden sind natürliche Feinde jedoch oft reduziert, sodass dort höhere Populationen möglich sind .
Welche Probleme macht er dem Menschen?
- Holzbauten und historische Bausubstanz: durch Ausnagen, Aushöhlen und Kartonnestbildung in Holzteilen (z. B. Dachbalken, Deckenhohlräume, Treppen, Pfosten) kann die statische Substanz geschwächt werden und nachhaltige Sanierungen erforderlich machen.
- Befälle sind oft lange unentdeckt, weil die Tiere im Inneren von Holz arbeiten; erkennbare Hinweise sind feines Holzmehl (Frasshaufen), ungewöhnliche Geräusche im Holz, Kartonartige Nester oder Laufstraßen zu Honigtauquellen.
- Gesundheitlich sind sie keine Gefahr (keine giftige Stiche), aber wirtschaftlich relevant durch Sanierungs- und Reparaturkosten sowie mögliche Einschränkungen bei denkmalgeschützten Bauten.
Wie kann man ihn bekämpfen?
Hinweis: Schwerpunkt liegt auf umweltfreundlichen Maßnahmen; chemische Optionen werden ergänzend genannt.
Vorbeugung und dauerhafte, umweltfreundliche Maßnahmen (Priorität)
- Bauschäden und Feuchtigkeitsquellen beseitigen: Vorschädigtes oder feuchtes Holz fachgerecht austauschen oder konservieren, undichte Stellen schließen und Holzschutzmaßnahmen durchführen.
- Eintrittsstellen dauerhaft abdichten (Risse, Anschlussfugen, Hohlräume) und befallene, zugängliche Nestbereiche physisch entfernen oder austauschen.
- Reduktion von Honigtauquellen: Blattlaus-Management an angrenzenden Gehölzen durch Förderung natürlicher Feinde (Marienkäfer, Schlupfwespen) und Pflanzenschutzmaßnahmen reduziert die primäre Nahrungsgrundlage und damit Anziehungspunkte für Ameisen.
Nicht-chemische Maßnahmen vor Ort (empfohlen)
- Mechanische Entfernung: Ausfräsen und Austausch kartonartiger Nester und befallener Holzbereiche; physische Entfernung von Nestmaterial und Reparatur betroffener Bauteile.
- Sperren und bauliche Trennungen: Einbau dauerhafter Barrieren zwischen befallenen Bäumen/Pfählen und Gebäudeteilen; Trennung von Holzbauteilen, damit Nestanschluss unmöglich wird .
Biologische und schonende Hilfsmittel
- Einsatz von Ködersystemen mit gezielten, geringen Wirkstoffmengen in verschlossenen Systemen, die Arbeiterinnen das Gift ins Nest tragen; solche Systeme sollten nur von zertifizierten Fachbetrieben geplant und kontrolliert werden, um Nichtzielwirkungen zu minimieren.
Chemische und professionelle Eingriffe (wenn nötig)
- Punktuelle Holzbehandlungen, gezielte Köderapplikation oder Holzimprägnierung durch zugelassene Dienstleister können in hartnäckigen Fällen erforderlich sein; großflächige Spritzungen sind ineffektiv und schädlich für Umwelt und Nichtzielorganismen.
- In Ausnahmefällen stehen weitergehende Maßnahmen (z. B. strukturierte Sanierungen, temporäre Abdicht- und Reparaturarbeiten) an, die durch Fachbetriebe ausgeführt und dokumentiert werden sollten.
Wichtiger Hinweis zur Effektivität
- Erfolg hängt davon ab, dass die Kolonie (insbesondere Königin und Brut) erreicht wird; Töten einzelner Arbeiterinnen oder oberflächliches Vertreiben führt in der Regel nicht zur Beseitigung des Problems.
Wie kann man dem Schädling die Lebensgrundlage dauerhaft entziehen?
- Ganzheitliches Sanierungskonzept: befallene und vorgeschädigte Hölzer austauschen oder professionell konservieren; alle Zugangs- und Brutmöglichkeiten dauerhaft verschließen; Feuchteursachen beheben (Dach, Anschlüsse, Belüftung).
- Ökologische Reduktion der Nahrungsbasis: Blattlauspopulationen an angrenzenden Bäumen verringern durch naturschonende Pflanzenschutzmaßnahmen und Förderung von Prädatoren; dadurch verringert sich die Attraktivität des Standortes langfristig.
- Monitoring und Nachsorge: regelmäßige Inspektionen nach Sanierung, frühzeitiges Erkennen von Laufstraßen, Frassmehl oder Kartonnest-Neubildung und sofortiges Eingreifen verhindern erneuten Etablierungen.
Quellenverzeichnis
- — Glänzendschwarze Holzameise (Lasius fuliginosus) (Steckbrief). https://schaedlingskunde.de/schaedlinge/steckbriefe/ameisen/glaenzendschwarze-holzameise-lasius-fuliginosus/ .
- Umweltbundesamt — Holzzerstörende Ameisen (Übersicht, Schadpotential, Vorbeugen). https://www.umweltbundesamt.de/holzzerstoerende-ameisen Umweltbundesamt.
- Ökologie-Seite — Glänzendschwarze Holzameise (Artenporträt). https://www.oekologie-seite.de/index.php?id=73&pid=849 Ökologie-Seite.
- Schädlingsvernichtung.de — Glänzendschwarze Holzameise (Artikel). https://www.schaedlingsvernichtung.de/magazin/glaenzendschwarze-holzameise-20201083 Schaedlingsvernichtung.de.
- Digital-Nature.de — Lasius fuliginosus: Lebensräume, Lebensweise und Nahrung. https://www.digital-nature.de/tierwelt/insekten/hautfluegler/holzameise/detail/detail.html Digital-Nature.
- — Holzameisen erkennen und vorbeugen (Fachinfos zu Schadwirkung und Vorsorge). https:///holzameisen-erkennen-warnsignale-und-diagnose/ .
- — Glänzendschwarze Holzameisen bekämpfen (Bekämpfungsleitfaden). https://schaedlingskunde.de/schaedlinge/steckbriefe/ameisen/glaenzendschwarze-holzameisen-bekaempfen/ .
- Ameiseninderwohnung.de — Vorsorgemaßnahmen gegen Holzameisen. https://www.ameiseninderwohnung.de/ameisenarten/holzameisen/ Ameisen in der Wohnung.
- Wikipedia (de) — Glänzendschwarze Holzameise. https://de.wikipedia.org/wiki/Gl%C3%A4nzendschwarze_Holzameise Wikipedia.
- Ameisenhaltung.de — Lasius fuliginosus (Artenverzeichnis, biologische Details). https://www.ameisenhaltung.de/artenverzeichnis/entry/224-lasius-fuliginosus/ Ameisenhaltung.de.
- Antcube / Blog — Die Strahlameise (Lasius fuliginosus) (Populärwissenschaftlicher Beitrag). https://antcube.shop/de/2025/07/29/die-strahlameise-lasius-fuliginosus-ein-baumeister-und-okologisches-kraftpaket/ ANTCUBE.
- Ameisenhaltung.de — PDF-Export Eintrag Lasius fuliginosus (weiterführende Informationen). https://www.ameisenhaltung.de/artenverzeichnis/entry-pdf-export/224-lasius-fuliginosus/ Ameisenhaltung.de.
Fotos:
https://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/0/08/Lasius_fuliginosus_261915876.jpgPhilipp Hoenle, CC0, via Wikimedia Commons
https://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/2/23/Lasius_fuliginosus_%28Formicidae%29_-_%28female_worker%29%2C_Arnhem%2C_the_Netherlands.jpg
This image is created by user B. Schoenmakers at Waarneming.nl, a source of nature observations in the Netherlands., CC BY 3.0 <https://creativecommons.org/licenses/by/3.0>, via Wikimedia Commons[/vc_column_text][/vc_column][/vc_row]

