Pyrethrum: Alle wichtigen Infos zum Insektizid

Tote Fliege nach einer Schädlingsbekämpfung
In der Schädlingsbekämpfung gibt es wohl kaum ein Mittel, dass so vielseitig und flächendeckend eingesetzt wird wie das Insektizid „Pyrethrum“. Vielmehr handelt es sich dabei um ein Blüten-Extrakt, welches zur Bekämpfung fast aller Insekten eingesetzt wird. In verschiedenen Konzentrationen und Variationen findet man es in unzähligen Insektensprays für Profis, aber auch frei erhältlich. Oft wird es als natürliches Insektizid angepriesen, wobei meist die chemische Variante enthalten ist. Wir ergeben eine kleine Übersicht zum Allrounder der Insektenbekämpfung und klären über Gefahren und Chancen des Insektenkillers auf.

Wie wird Pyrethrum hergestellt?

Bei der Herstellung von Insektiziden auf Pyrethrum-Basis muss man zwischen zwei Arten von Pyrethrum unterscheiden: Pyrethrine und Pyrethroide. Pyrethrine werden auf natürliche Weise, durch die Extraktion aus Crysanthem-Pflanzen, hergestellt. Sie enthalten die schnell wirkenden Pyrethrine 1 und 2. Pyrethroide werden sythetisch hergestellt und sind somit nicht mehr rein natürlich. Sie werden zusätzlich mit dem Stoff Piperonylbutoxid angereichert, um sie haltbarer zu machen.

Sind Pyrethroide gefährlicher als Pyrethrine?

Die Vermutung liegt nahe, dass die synthetisch hergestellten Pyrethrum-Insektizide gefährlicher sind, als jene auf Naturbasis. Die Antwort ist ja und nein. Pyrethroide sind nicht zwangsläufig giftiger als natürliche Pyrethrine. Sie werden ähnlich schlecht von Säugetieren aufgenommen wie natürliche Extrakte. Zudem werden sie ebenfalls sehr schnell aus dem Organismus wieder ausgeschieden. Meist nach wenigen Stunden, bis zu einem halben Tag. Allerdings sind sie beständiger als Pyrethrine.
Natürliche Extrakte sind recht Luft-, Wärme und UV-empfindlich. Daher verlieren sie vor allem im Außenbereich und warmen Umgebungen relativ schnell ihre Wirkung. Pyrethroide werden durch den Wirkungsverstärker Piperonylbutoxid ergänzt und dadurch robuster gegenüber den genannten Umwelteinflüssen. Pyrethroide gelten daher in der Regel als Langzeitinsektizide, während Pyrethrine als Kurzzeitinsektizide bezeichnet werden.
Pyrethroiode schädigen Säugetierorganismen aber nicht zwangsläufig mehr als Pyrethrine. Versuche mit Ratten haben gezeigt, dass die letale Dosis im Vergleich zu Insekten über 4.000 mal so groß sein müsste. Andere Insektizide liegen meist im Bereich der zehn- bis hundertfachen Dosis. Für Pyrethrine gilt die gleich Dosis.
Zusammenfassend lässt sich sagen, dass Pyrethroide akut gesehen nicht schädlicher als Pyrethrine sind. Sie verbleiben jedoch länger in der Umgebung führen somit zu einer stetigen Anreicherung im Organismus (insofern ein Kontakt mit dem Mittel besteht).

Wie wird Pyrethrum aufgenommen?

Pyrethrum ist ein Kontaktinsektizid. Das heißt das Insekt muss mit dem Gift in Berührung kommen. Dies geschieht meist über den Kontakt mit behandelten Flächen, etwa eine Fußleiste. Es kann aber auch oral in den Organismus gelangen, etwa durch ein Aerosol. Insektensprays können dies bewirken. Es gibt Pyrethrum in flüssiger Form, als Gas, sowie in Staub- bzw. Puderform. Je nach Situation kann es demnach flexibel eingesetzt werden.

Wie wirkt Pyrethrum auf Insekten?

Zunächst einmal die Erklärung wie Pyrethrum als Insektengift überhaupt funktioniert. Pyrethrum blockiert die Natriumkanäle von Insekten zur Nervenmembram. Dadurch fließt ungehindert Natrium in die Nervenbahnen, wodurch diese überladen werden und keine Reize mehr weiterleiten können. Es kann dadurch zu Krämpfen und Lähmung kommen, bevor das Insekt schließlich abstirbt.
Während bestimmte Insekten relativ schnell absterben, kann es bei anderen Insekten einige Zeit dauern bis der Tod eintritt. Die Wirkung ist zudem abhängig vom eingesetzten Pyrethrin, bzw. Pyrethroid.

Ist Pyrethrum giftig für Menschen und Haustiere?

Wie bereits beschrieben, ist die letale Dosis für eine Vergiftung bei Säugetieren relativ hoch. Eine so hohe Dosis kann nur bei extremer Aufnahme des Gifts möglich sein, im Fall einer Schädlingsbekämpfung ist dies quasi unmöglich. Damit Nebenwirkungen wie Übelkeit, Kopfschmerzen oder gar Erbrechen nicht vorkommen, sollte aber auch nicht unbedacht mit Insektensprays gesprüht werden. Frei erhältliche Sprays enthalten meist synthetische Pyrethroide welche länger in der Raumluft verbleiben.
Ein dauerhafter Einsatz kann zu einer stetigen Anreicherung von Pyrethrum im eigenen Organismus führen. Vor allem wenn sich Haustieren oder kleine Kinder in der Wohnung befinden, sollte man besser den Fachmann zu Rate ziehen. Die Symptome einer „Vergiftung“ sind zwar vergleichsweise harmlos, aber genauso einfach zu vermeiden.
Einige Pyrethroide werden übrigens in kleinen Dosen zur Floh- und Zeckenbekämpfung bei Hunden eingesetzt. Sie werden sowohl direkt auf das Fall gegeben, als auch in Tabletten als Wirkstoff eingesetzt. Katzen vertragen deutlich geringere Dosen als Hunde, da sie die Insektizide nicht ausreichend ausscheiden können. Pyrethroide werden daher nicht bei Katzen eingesetzt, eine Überdosierung kann gar zum Tod führen.

Was sind die Symptome einer Vergiftung mit Pyrethrum?

Die Symptome einer Vergiftung beim Menschen oder Haustier sind grundsätzlich mit denen bei Insekten zu vergleichen. Da es aber kaum zu solch hohen Dosen kommt, äußert sich eine Vergiftung nicht durch Lähmungen oder Krämpfe.
Die Symptome sind jedoch abhängig von der Art des Pyrethrums, sowie der Art der Vergiftung (akut oder chronisch). Akute Vergiftungen äußern sich eher in Hautreizungen und Atemwegsreizungen, sowie Jucken. Dies hängt mit dem unmittelbaren Kontakt mit dem Insektizid zusammen. Die Symptome sollten sich hier sehr schnell wieder einstellen.
Chronische Vergiftungen entstehen bei länger anhaltendem Kontakt mit Pyrethroiden. In der Regel sind lediglich berufsmäßige Verwender wie Schädlingsbekämpfer oder Landwirte davon betroffen. Meist sind es Schwindel, Übelkeit, Appetitlosigkeit und Kopfschmerzen, die einen nach einer chronischen „Überdosierung“ mit Pyrethrum plagen. Auch Müdigkeit oder Schwächegefühle können entstehen. Stärkere Beschwerden werden nur sehr selten registriert, hier bedarf es einer dauerhaften Überdosierung über einen langen Zeitraum.

Kann Pyrethrum gegen alle Insekten eingesetzt werden?

Grundsätzlich ist Pyrethrum gegen alle Insektenarten einsetzbar. Entscheidend ist die Art der Verwendung. Insektensprays sind zur gezielten Behandlung von Wespennestern hilfreich. Bei Ameisen sind flüssige Formen zur direkten Nestbekämpfung hingegen sinnvoller.
Die meisten Ameisen und auch Schaben werden hingegen mit Gelköder bekämpft, der andere Wirkstoffe enthält. Ein Allheilmittel ist Pyrethrum daher nicht, es ist aber ein relativ ungefährliches Insektizid, welches auch vom Laien relativ unbedenklich eingesetzt werden kann. Ohne das Wissen über die richtige Anwendung und die Biologie eines Insekts hilft allerdings auch das beste Insektenspray nichts.

Welche Alternativen gibt es zu Pyrethrum?

Die beste Alternative zum Einsatz von Insektiziden ist die Behandlung der Schädlingsquelle, bzw. die Schädlingsvorsorge. Da es aber meist erst mal zu spät ist und man erst einmal einen Status Quo benötigt, lässt sich der Insektizideinsatz nicht immer vermeiden. Wer Pyrethrum nicht traut, kann natürlich auch auf andere Mittel zurückgreifen. Diese sind in ihrer Wirksamkeit aber stark abhängig vom jeweiligen Insekt und dem Ausmaß des Befalls. De facto gibt es kaum andere Mittel, die weniger gefährlich für Säugetiere sind und gleichzeitig über eine hohe Wirksamkeit verfügen.
Silikatstaub wird in manchen Bereichen wie Hühnerställen empfohlen. Da Hühner oft von Milben befallen werden, ist eine Anwendung meist flächendeckend im Stall notwendig. Wem Spot-Ons zu aufwendig oder teuer sind, kann sein Glück mit Silikatstaub versuchen. Auch bei anderen Insekten wie Ameisen oder Speckkäfern können einzelne Bereiche damit behandelt werden. Die Wirksamkeit ist aber relativ schwach. Die Insekten sollen durch Berührung mit dem Staub austrocknen, was bei längerem Kontakt mit dem Staub auch geschieht.
In der Praxis bedeutet dies allerdings die Hühner einzupudern, als auch den Stall flächendeckend zu behandeln. Da der Staub aber ungefährlich ist, besteht zumindest keine Gesundheitsgefahr für Tier und Mensch.
Der Einsatz gegen Ameisen oder andere Insekten ist meist eher ernüchternd, flüssiger Silikatstaub ist etwas besser in der Handhabung und somit auch Wirksamkeit, reines Pulver tötet meist nur einen geringen Teil des Befalls ab. Zudem ist er nur schwer in die betroffenen Stellen wie Zwischendecke oder Fußleisten zu verteilen.

Quellen:
Omeda: Pyrethrin (zuletzt besucht am 20.05.2020)
Online Library: Grenzwerte in biologischem Material (zuletzt besucht am 20.05.2020)
Spektrum Wissenschaft: Pyrethrine (zuletzt besucht am 20.05.2020)
Medizinisches Labor Bremen: Pyrethroide (zuletzt besucht am 20.05.2020)
Universität Gießen: Permethrinvergiftung (zuletzt besucht am 20.05.2020)
Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittel: Fokus Antiparasitika (zuletzt besucht am 20.05.2020)
Allum: Pyrethroide (zuletzt besucht am 20.05.2020)
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