Ameisen-Ratgeber: Ameisen unterscheiden und bekämpfen

Wie viele Ameisenarten gibt es in Deutschland?

Ameisen gehören zu den Insekten und sind weltweit sehr zahlreich vertreten. Auf dem ganzen Globus verteilt gibt es über 13.000 Arten (siehe Wikipedia). In Deutschland sind es deutlich weniger Arten, wobei immer mehr invasive Arten auftauchen. Laut NABU sind es derzeit um die 100 Arten, wobei davon auszugehen ist, dass es jährlich ein paar mehr werden.

Was sind invasive Ameisen?

Invasive Insekten gewinnen immer mehr Bedeutung in Deutschland. Dabei handelt es sich um Tiere, die hierzulande eigentlich nicht vorkommen, sich aber ansiedeln und einheimische Arten verdrängen. Es gibt nicht nur invasive Insekten, sondern auch Pflanzen.
Aufgrund des Klimawandels gibt es auch immer mehr invasive Ameisen, die hierzlulande Fuß fassen. Ein prominentes und relativ verheerendes Beispiel ist die Lasius neglectus. Sie bildet wahre Superkolonien mit bis zu tausenden Nestern und Königinnen und verdrängt einheimische Arten besonders aggressiv.

Können Ameisen fliegen?

Ameisen zählen wie Wespen und Hornissen zu den Hautflüglern. Sie besitzen demnach Flügel und sind tatsächlich flugfähig. Allerdings setzten sie ihre Flügel lediglich zum sogenannten Hochzeitsflug ein. Dieser Schwarmflug findet je nach Ameisenart zum Anfang des Sommers oder zum Spätsommer hin statt. Die Arbeiter und Königinnen anderer Ameisenstaaten treffen sich außerhalb des Nestes und paaren sich. Anschließend sterben die Männchen ab, während die Königinnen ihre Flügel verlieren.
Bei der Lasius brunneus ist diese Zeit enorm wichtig, da sehr gut beobachtet werden kann an welchen Stellen sie in die Wohnung kriecht. Zudem werden nach dem Hochzeitsflug mit hoher Wahrscheinlichkeit neue Nester entstehen.

Ameise auf einem Blatt

Ameisen sind in Deutschland mit über 100 Arten vertreten

Müssen Ameisen immer bekämpft werden?

Ameisen sind im Grunde recht nützliche Tiere, die tote Insekten und Abfall entsorgen. Eine Bekämpfung von Ameisen im Außenbereich ist daher nur in Ausnahmefällen notwendig. Es gibt aber einige Fälle in denen eine Bekämpfung von Ameisen sinnvoll sein kann.
Es gibt aber Ausnahmen: Invasive Ameisen müssen mitunter bekämpft werden, damit einheimische Arten nicht verdrängt werden.
Holzzerstörende Ameisen richten in Gebäuden enormen Schaden an und müssen daher ebenfalls bekämpft werden. Sowohl die Rossameise als auch Lasius brunneus können Balkenkonstruktionen so stark schädigen, dass diese ausgetauscht werden müssen.
Gewöhnliche, süßfressende Ameisen wie die Lasius niger können im Innenbereich an Nahrung gehen und lästig werden. Man kann in solch einem Fall einzelne Tiere bekämpfen oder gezielt an das Nest gehen.
Die Pharaoameise kann Krankheiten übertragen und ist daher als Gesundheitsschädlings einzustufen. In sensiblen Bereichen wie Krankenhäusern oder Kindergärten ist eine Bekämpfung daher anzuraten. Aber auch in gewöhnlichen Mehrfamilienhäusern kann sie sich sehr schnell vermehren und zu einer echten Plage werden.

Wie hilfreich sind Hausmittel gegen Ameisen?

Generell kann man Ameisen mit Backpulver bekämpfen, sollten Sie einmal in das Haus eindringen. Auf diese Weise bekämpft man aber meist einzelne Arbeiter. Das Backpulver wird nicht in das Nest getragen und an die Königin verfüttert. Daher eignen sich Ködergele wesentlich bei der Bekämpfung von Ameisennestern. Das gleiche gilt im Übrigen für Natron. Da die Ameisen eher auf zuckerhaltige Nahrung aus sind, ist eine Beimischung von Zucker sowohl bei Backpulver als auch bei Natron notwendig.
Ätherische Öle und alkalisch wirkende Substanzen sollen eine abstoßende Wirkung auf Ameisen haben. Kreide oder auch Zitronenschalen können somit als Barriere eingesetzt werden. Dadurch zieht man womöglich aber andere Insekten an. Zudem verdreckt man in gewisser Weise seine Wohnung. Eine Bekämpfung der Ameisen findet dadurch ebenfalls nicht statt.

Muss ich Ameisen vor der Bekämpfung bestimmen lassen?

Ameisenbekämpfungen sind sehr individuell. Je nach Ameisenart muss ein anderer Köder verwendet werden. Mitunter hilft auch kein Köder, sondern das Nest muss direkt bekämpft werden. Damit die richtige Strategie ausgewählt werden kann, muss die Ameisenart bestimmt werden. Das Problem ist, dass Ameisen mit bloßem Auge kaum zu bestimmen sind. Die Ähnlichkeiten sind teilweise gravierend. Allerdings macht es einen großen Unterschied ob es sich um eine Lasius niger oder Lasius neglectus handelt. Wir nehmen daher fast immer eine Probe mit, die wir anschließend bestimmen lassen.

Kann ich Ameisen mit Köder aus dem Baumarkt bekämpfen?

Ameisen mit Ködern aus dem Baumarkt oder Internet zu bekämpfen kann zu einem Teilerfolg führen. Mitunter erledigt es auch das Problem, insofern der richtige Köder die richtige Ameise trifft. Ohne Vorkenntnisse dürfte dieses Glücksspiel aber sehr oft schief gehen. Mitunter nehmen auch einzelne Arbeiter den Köder an. Selbst bei der Lasius brunneus kann dies der Fall sein. Allerdings sterben dadurch auch nur einzelne Arbeiter. Das Nest bleibt bestehen und die Ameisenkönigin produziert fleißig weiter neue Fußsoldaten.

Wann brauche ich einen Kammerjäger zur Ameisenbekämpfung?

Ein professioneller Schädlingsbekämpfer sollte immer zu Rate gezogen werden, wenn es sich um holzzerstörende Ameisen handelt. Eine Lasius brunneus ist selbst für erfahrene Kammerjäger eine Herausforderung. Da die Nester direkt bekämpft werden müssen, aber weder sichtbar sind noch ausgegraben werden können, ist viel Erfahrung bei der Bekämpfung notwendig.
Viele Schädlingsbekämpfer legen einfach nur etwas Ködergel aus und verkaufen ein paar tote Arbeiter als Erfolg. Dass die Tiere im kommenden Jahr wiederkommen und in der Zwischenzeit weiter Schaden am Holz anrichten, lassen Sie leider außer Acht.
Auch Pharaoameisen sind ein klarer Fall für erfahrene Schädlingsbekämpfer. Die flächendeckende Bekämpfung mit speziellen Ködern über einen längeren Zeitraum ist besonders aufwendig und langwierig. Halbherzige Bekämpfungen führen auch hier nur einem Neubefall, spätestens im neuen Jahr.
Ameisen in der Küche von Gemeinschaftseinrichtungen wie Kindergärten oder Schulen sollten ebenfalls durch Kammerjäger erfolgen. Zwar sind die meisten frei erhältlichen Köder im Baumarkt relativ harmlos, allerdings kann eine falsche Auslegung auch hier zu unangenehmen Folgen für die Bewohner führen.

Holzbalken mit Lasius brunneus

Lasius brunneus sollten immer bekämpft werden

Wie kann ich Ameisen im Garten bekämpfen?

Grundsätzlich werden Ameisen im Garten genauso bekämpft wie Ameisen im Haus. Entweder man nutzt Gelköder, den man am Besten an den Laufwegen der Ameisen platziert. Oder man injiziert ein Insektizid direkt in die Nestöffnung. Die Vorgangsweise ist abhängig von der Ameisenart und der Nestlage.
In den meisten Fällen müssen Ameisen im Garten aber nicht unbedingt bekämpft werden. Sie richten dort keinen merklichen Schaden an und helfen bei der Insekten- und Abfallbeseitigung. Rasenameisen können aber den Weg ins Haus aufnehmen oder im Terrassenbereich in großer Anzahl störend wirken. Manche Ameisen könne sogar unangenehme Stiche hinterlassen. Dies ist aber relativ selten.

Was mache ich bei Ameisenbefall am Baum?

Ameisen treten oft in großer Anzahl an bestimmten Bäumen auf. Sie haben es meist auf bestimmte Läuse abgesehen, die den von Ameisen begehrten Honigtau produzieren. Sollte der Baum ungünstig stehen und es dadurch zu „Kollateralschäden“ aufgrund der Ameisenstraßen kommen, kann die Montage eines Leimrings helfen. Dieser wird um den Baum gebunden und fungiert anschließend als unüberwindbare Barriere für die Ameisen.

Was geschieht mit einem Ameisenvolk im Winter?

Ameisen halten im Winter eine Art Winterschlaf. Dies wird allerdings als Winterruhe bezeichnet, da die Ameisen nicht schlafen, sondern lediglich ihre Aktivität herunterfahren. Die Ameisen verziehen sich tief in ihr Nest und entleeren ihren Darm. Die Larven verlieren Wasser um Temperaturen unter dem Gefrierpunkt zu überstehen.
Holzzerstörende Ameisenarten können auch im Winter vereinzelt auftauchen. Ebenso wie die Pharaoameise. Da die Ameisen ihr Nest im Innenbereich haben, sinken die Temperaturen meist nicht merklich ab. Auch kann die Nähe zu Heizungsrohren zu einem Temperaturanstieg im Nest führen, sodass die Ameisen das Nest verlassen. Meist sind die Wanderungen im Winter aber nur von kurzer Dauer und in deutlich geringer Anzahl.

Kann man ein Ameisennest umsiedeln?

Ein Ameisennest kann theoretisch umgesiedelt werden. Allerdings ist dies mit enormen Aufwand verbunden. Zudem dürften bei der Umsiedlung einige Ameisen ihr Leben lassen, was verschmerzbar ist, solange ein Großteil und die Ameisenkönigin überleben. Diese ist für die Umsiedlung enorm wichtig. Ohne sie hat das Nest an der neuen Stelle keine Überlebenschance.
Nicht alle Ameisenarten eignen sich zur Umsiedlung, da sie mit anderen Kolonien im Verbund leben. Die Umsiedlung eines Nestes wird das Hauptproblem somit nicht lösen. Die Umsiedlung sollte aufgrund der Schwierigkeit dem Profi überlassen werden. Meist werden diese von Waldarbeitern oder einigen Biologen durchgeführt.

Quellen:
Mein schöner Garten: Ameisen bekämpfen (zuletzt besucht am 12.05.2020)
Ameisenwiki: Winterruhe (zuletzt besucht am 12.05.2020)
Entomologie Garten: Die Umsiedlung von Ameisen (zuletzt besucht am 12.05.2020)
Schwargraue Wegameise (Lasius niger)

Lasius niger wandern oft vom Garten in den Innenbereich

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